Die Milchstraße zu fotografieren gehört zu den faszinierendsten Erlebnissen in der Landschaftsfotografie. Wenn der Sternenhimmel klar ist und das leuchtende Band unserer Galaxie über der Landschaft steht, wirkt alles plötzlich ganz nah – und gleichzeitig unendlich weit entfernt.
Viele Hobbyfotografen träumen davon, einmal gelungene Fotos der Milchstraße aufzunehmen. Die gute Nachricht: Du brauchst dafür keine teure Spezialausrüstung oder eine Sternennachführung.
Mit etwas Planung, einem stabilen Stativ und einem Weitwinkelobjektiv kannst du die Milchstraße fotografieren – auch als Einsteiger.
In diesem Artikel zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du die Milchstraße fotografierst, welche Kameraeinstellungen sich bewährt haben und worauf es bei Motiv, Standort und Bildbearbeitung ankommt.
Was macht die Milchstraße als Fotomotiv so besonders?
Die Milchstraße mit ihren unzähligen Sternen, Nebeln und Staubstrukturen ist ein beeindruckendes Motiv in der Landschaftsfotografie. Die Kombination aus nächtlicher Landschaft, einem starken Vordergrundmotiv und dem leuchtenden Band der Galaxie macht diese Art der Fotografie so einzigartig.
Warum die Milchstraße als leuchtendes Band sichtbar ist
Unser Sonnensystem – und damit auch die Erde – befindet sich relativ weit außen in einem der Spiralarme unserer Galaxie. Wir sehen die Milchstraße daher wie ein helles Band, das sich über den Sternenhimmel zieht.
Genau dieses Band lässt sich gestalterisch wunderbar in die Landschaft einbinden und mit Linien im Vordergrund fortführen.
Kurzer astronomischer Exkurs:
Unsere nächstgelegene große Nachbargalaxie ist die Andromeda-Galaxie. Sie ist rund 2,5 Millionen Lichtjahre entfernt – das bedeutet, wir sehen sie so, wie sie vor 2,5 Millionen Jahren aussah. Damals machten unsere Vorfahren gerade ihre ersten Schritte aufrecht.
Vorbereitung auf die Milchstraßenfotografie
Tipp 1: Motividee – Vordergrund und freier Blick nach Süden
Ob ein Milchstraßenfoto als gelungen empfunden wird, liegt meist nicht an der Milchstraße an sich, sondern am Vordergrund und der Bildkomposition insgesamt. Gerade Anfänger in der Astrofotografie unterschätzen diesen Punkt häufig.
Ein gutes Vordergrundmotiv verleiht dem Bild Tiefe, Orientierung und Spannung. Gib dir hierfür ganz bewusst Zeit und suche dir einen passenden Ort für dein Vorhaben.
- freier Blick nach Süden
- keine direkten Lichtquellen von Städten oder Dörfern
- auch im Dunkeln sicher erreichbar
Hilfreich zur Standortsuche ist die Light Pollution Map, um möglichst dunkle Orte zu finden.
Tipp 2: Den richtigen Zeitpunkt für die Milchstraßenfotografie planen
Um die Milchstraße fotografieren zu können, reicht ein klarer Himmel allein nicht aus. Entscheidend ist, wann und wo welcher Teil der Milchstraße sichtbar ist.
Wir befinden uns innerhalb der Milchstraße und blicken nachts je nach Jahreszeit in unterschiedliche Richtungen unserer Galaxie. Besonders interessant für die Fotografie ist das galaktische Zentrum, da dort die höchste Sternendichte und die stärksten Strukturen sichtbar sind. Dieses Zentrum ist in Mitteleuropa nur von etwa März bis Oktober zu sehen und erreicht seine beste Sichtbarkeit in den Sommermonaten.
Ideal sind die Monate Juli und August: Die Milchstraße steht in einem steilen Winkel zum Horizont, das galaktische Zentrum ist gut sichtbar und die Nächte werden langsam wieder länger.
Zusätzlich solltest du darauf achten, dass der Mond möglichst nicht am Himmel steht. Selbst ein halb beleuchteter Mond hellt den Sternenhimmel deutlich auf und lässt die Milchstraße schnell verblassen. Ideal sind Nächte rund um den Neumond.
Apps wie PhotoPills oder Sun Surveyor helfen dir nicht nur bei der Mondplanung, sondern zeigen dir auch, zu welcher Uhrzeit und in welcher Ausrichtung die Milchstraße über deinem Motiv steht.
Wenn du deine Standortidee tagsüber erkunden kannst, lassen sich mithilfe dieser Apps sogar Einblendungen der Milchstraße direkt in das Kamerabild deines Smartphones legen. So weißt du genau, wann du nachts vor Ort sein solltest.
Auf der Website Stellarium kannst du dir den aktuellen Nachthimmel sogar dreidimensional ansehen.
So bekommst du ein sehr gutes Gefühl dafür, wo sich Sterne, Planeten und die Milchstraße zu einer bestimmten Uhrzeit befinden.
Durch die Bewegung der Erde um die Sonne – und damit den Wechsel der Jahreszeiten – ändert sich unsere Blickrichtung innerhalb der Milchstraße. Deshalb sehen wir das leuchtende Band unserer Galaxie je nach Jahreszeit in unterschiedlichen Himmelsrichtungen.
Grob zusammengefasst gilt für Mitteleuropa:
– Im Frühling befindet sich die Milchstraße eher tief im Osten oder Südosten
– Im Sommer steht sie steil über dem Süden und zeigt ihr galaktisches Zentrum
– Im Herbst erscheint sie wieder flacher im Südwesten oder Westen
Dieses Wissen hilft dir enorm bei der Standortwahl und der Planung deiner Bildkomposition.
Falls du ein Milchstraßenpanorama aufnehmen möchtest, eignet sich eher der Frühling oder frühe Sommer. Durch den flacheren Anstellwinkel der Milchstraße zum Horizont lassen sich mehrere überlappende Hochformat-Aufnahmen einfacher zu einem Panorama zusammensetzen.
Ausrüstung und Kameraeinstellungen für die Milchstraßenfotografie
Tipp 3: Die richtige Fotoausrüstung für das Fotografieren bei Nacht
Für die Milchstraßenfotografie brauchst du keine Spezialausrüstung. Wichtig ist vor allem eine solide Grundausstattung:
- Spiegelreflex- oder Systemkamera mit guten ISO-Eigenschaften
- stabiles Stativ, das auch Hochformat und nach oben gerichtete Kamerapositionen sicher hält
- Fernauslöser oder App zur Fernsteuerung (optional)
- Weitwinkel- oder leichtes Normalobjektiv mit großer Offenblende</li Entwurf speichern Veröffentlichen 768px Tablet -Standardansicht festlegen >
- volle Akkus und am besten ein Ersatzakku
- Outdoor-Kleidung und feste Schuhe
- Stirnlampe, idealerweise mit Rotlicht
Tipp 4: Beste Kameraeinstellungen zum Milchstraße fotografieren
Bewährte Starteinstellungen für die Milchstraßenfotografie sind:
- Bildstabilisator: aus
- Autofokus: aus
- Kameramodus: M oder AV
- Blende: f/2.8
- ISO: 3200–6400 (je dunkler die Umgebung, desto höher)
- Belichtungszeit: bis ca. 20 Sekunden
- Brennweite: ca. 15 mm
Je weiter du die Blende schließt, desto weniger Licht fällt auf den Sensor – und desto länger müsstest du belichten. Da sich der Sternenhimmel durch die Erdrotation ständig bewegt, entstehen bei zu langen Belichtungen sogenannte Sternenstriche.
Als grobe Orientierung gilt folgende Faustformel:
- Vollformat: 500 / Brennweite
- APS-C: 500 / (Brennweite × Cropfaktor)
Ein ganz wesentlicher Punkt ist das Dateiformat: Fotografiere unbedingt im RAW-Format. Ein RAW-Bild wirkt zunächst oft flau und dunkel – erst in der Bildbearbeitung werden Kontraste, Farben und Strukturen sichtbar, die der Sensor bereits aufgenommen hat.
Schärfe, Bildgestaltung und kreative Variationen
Tipp 5: Richtig fokussieren bei Nacht
Das Fokussieren ist für viele der schwierigste Teil beim Milchstraße fotografieren. Autofokus funktioniert im Dunkeln meist nicht zuverlässig, daher ist manuelles Fokussieren unverzichtbar.
- Live-View aktivieren
- auf einen hellen Stern zoomen
- den Fokus so einstellen, dass der Stern möglichst klein erscheint
Das Objektiv sollte nicht einfach auf „unendlich“ gestellt werden. Bei vielen Objektiven liegt der tatsächliche Fokuspunkt etwas vor dem Anschlag. Ein kleiner Klebestreifen zur Markierung kann hier sehr hilfreich sein.
Tipp 6: Standort wechseln und Bildideen variieren
Ein häufiger Fehler ist es, die ganze Nacht an einem einzigen Standort zu verharren. Das führt oft zu vielen sehr ähnlichen Bildern.
Wechsle bewusst deine Perspektive, variiere Abstand und Kamerahöhe und erkunde die Umgebung. Oft entstehen die stärksten Bilder nicht beim ersten Motiv, sondern beim zweiten oder dritten Standort.
Tipp 7: Vordergrund gezielt beleuchten (Lightpainting)
Mit einer einfachen Taschenlampe kannst du den Vordergrund während der Langzeitbelichtung sanft aufhellen. Bewege dich dabei ständig und leuchte nie direkt in die Kamera.
Alternativ kannst du den Vordergrund separat aufnehmen und später mit der Milchstraße kombinieren. So behältst du maximale Kontrolle über Bildwirkung und Bildqualität.
Bildbearbeitung und Entwicklung von Milchstraßenfotos
Tipp 8: Bildbearbeitung der Milchstraßenaufnahmen
Die Bildbearbeitung ist der Schritt, in dem aus einer technisch korrekten Aufnahme ein stimmungsvolles Milchstraßenfoto wird.
- Weißabgleich leicht ins Kühle
- Kontrast erhöhen
- Milchstraßenzentrum mit Maske betonen
- Vordergrund separat bearbeiten
- Rauschreduzierung vorsichtig einsetzen
Wichtige Praxistipps für die Nachtfotografie
Warm bleiben – auch im Sommer
Nächte können selbst im Hochsommer kalt und feucht sein. Warme Kleidung und Handschuhe gehören zur Grundausstattung.
Licht nicht vergessen
Eine Stirnlampe erleichtert das Aufbauen der Kamera und sorgt für Sicherheit im Dunkeln. Rotlicht hilft, die Dunkelanpassung der Augen zu erhalten.
Verwacklungen vermeiden
Selbstauslöser oder Fernauslösung helfen, die Kamera erschütterungsfrei auszulösen.
Fazit: Milchstraße fotografieren mit Geduld und Freude
Die Milchstraße zu fotografieren erfordert Planung, Geduld und Übung – ist aber mit einfacher Ausrüstung gut machbar. Wer sich Zeit nimmt und bewusst gestaltet, wird mit einzigartigen Bildern vom Sternenhimmel belohnt.
In meiner Galerie findest du eine Auswahl meiner Milchstraßenfotos aus verschiedenen Regionen – vom Westerwald über die Eifel bis in die Alpen.
Häufige Fragen zum Milchstraße fotografieren (FAQ)
Wann kann man die Milchstraße in Deutschland fotografieren?
Die Milchstraße ist in Deutschland hauptsächlich zwischen März und Oktober sichtbar. Das galaktische Zentrum zeigt sich besonders gut in den Sommermonaten Juni bis August.
Welche Kameraeinstellungen eignen sich zum Milchstraße fotografieren?
Bewährt haben sich offene Blenden (z. B. f/2.8), ISO-Werte zwischen 3200 und 6400 und Belichtungszeiten um 15–25 Sekunden.
Brauche ich eine Sternennachführung?
Nein. Für klassische Milchstraßenfotos reichen Stativ, Weitwinkelobjektiv und etwas Übung völlig aus.
Warum sollte ich die Milchstraße im RAW-Format fotografieren?
Das RAW-Format speichert deutlich mehr Bildinformationen als JPEG. Erst durch die Bildentwicklung lassen sich Kontraste, Farben und Strukturen der Milchstraße sichtbar machen.
Wo finde ich dunkle Orte zum Milchstraße fotografieren?
Hilfreich sind Lichtverschmutzungskarten wie die Light Pollution Map. Besonders geeignet sind abgelegene Regionen, Täler oder Mittelgebirge abseits größerer Städte – nicht unbedingt exponierte Gipfel.