Bonbonfarben auf dem Köppel im Westerwald –
Mystische Stimmung bei Polarlicht und Nebelschwaden
Das war eine Nacht!
So stark sieht man Polarlichter wirklich selten. Leider war der untere Westerwald komplett im Nebel eingetaucht. Da blieb mir nur eine Option: Die Fahrt auf unseren 540 Meter hohen Hausberg hier im Westerwald – den Köppel.
Fahrt ins Ungewisse
Schon die Fahrt hinauf war ein Erlebnis für sich. Immer wieder wurde der Nebel so dicht, dass kaum noch zu erkennen war, wo der Weg verlief.
Oben angekommen konnte ich das magentafarbene Leuchten bereits mit bloßem Auge sehen.
Und dann: Ein kurz aufleuchtender, langgezogener blauer Lichtschweif direkt über dem Turm.
Mist – verpasst. Die Kamera war im Dunkeln noch nicht schnell genug aufgebaut.
Fotografieren unter Extrembedingungen
Der eigentlich sehr zuverlässig arbeitende Autofokus meiner Canon R6 versagte unter diesen Bedingungen komplett. Die Konturen waren durch die Nebelschwaden zu diffus, das Licht zu schwach.
Also manuell fokussieren – ohne entfernte Lichtquellen gar nicht so einfach. Zur Sicherheit habe ich die Blende etwas geschlossen, um mehr Tiefenschärfe zu gewinnen.
Das Rauschverhalten der Canon R6 ist gut beherrschbar, vor allem mit gezielter Nachbearbeitung in Lightroom. Deshalb lieber die ISO etwas höher.
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Erste Aufnahmen: ISO 2000, Blende 2.8
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Spätere Aufnahmen: ISO 5000, Blende 5.6
Allein im Nebel
Ehrlich gesagt war es ein wenig unheimlich, so allein im Nebel und in völliger Dunkelheit dort oben auf dem Köppel. Der eisige Wäller Wind schüttelte immer wieder etwas Raureif von den Zweigen.
Und diese Geräusche … hätten die nicht auch von einer Wildschweinhorde stammen können?
Dazu kam die klirrende Kälte. Am Ende konnte ich – trotz Handschuhen – den Auslöser kaum noch bedienen.
Memo an mich: Die dicken Daunenfäustlinge nicht vergessen.
Das letzte Polarlicht-Motiv
Trotzdem wollte ich noch eine neue Perspektive ausprobieren: Knapp unterhalb des Turms, direkt an der Köppelhütte.
Plötzlich ging das sensorgesteuerte Außenlicht der Hütte an.
Oh nein – viel zu hell!
Also verharrte ich regungslos im kalten Wind. Bloß nicht bewegen. Damit das Licht wieder ausgeht. Minuten können sich in solchen Momenten wie Stunden anfühlen.
Dann endlich: Dunkelheit – und das letzte Motiv war im Kasten.
Ein unvergessliches Erlebnis
Kurz nach Mitternacht machte ich mich schließlich auf den Nachhauseweg.
Kalt, müde – aber tief beeindruckt.
Diese Nacht hier im Westerwald auf dem Köppel mit Polarlicht, Nebel und eisigem Wind wird mir sicher noch lange in Erinnerung bleiben.