Island Wasserfall Bruarfoss

Wasserfälle sind faszinierende Ausflugsziele und beliebte Fotomotive. Die Kraft des Wassers, das Rauschen und die Farben sind beeindruckende Naturschauspiele. Gerne zeige ich dir, wie auch dir fantastische Fotos von fließendem Wasser und Wasserfällen gelingen können.

Du wirst erfahren, wie du tolle Wasserfälle auch in der Nähe findest, welche Ausrüstung du brauchst, welche Kameraeinstellungen geeignet sind und wie du eine ansprechende Bildkomposition hinbekommst. Ich zeige dir, wie du das Fließen des Wassers dynamisch im Bild festhältst, sodass ein spannender Kontrast von statischer Landschaft und dem bewegten Wasser entsteht. Seidig weich fließendes Wasser sorgt für beeindruckende Effekte, da es uns eine andere Wahrnehmung von Zeit und Raum vermittelt.

1. Wasserfälle finden – auch in der Nähe

Holzbachschlucht im Westerwald
Ich mache es gerne so, dass ich in Google Maps den Begriff „Wasserfall“ oder „Wasserfall in der Nähe“ eingebe. Die roten Icons zeigen dann die Standorte der schönsten Wasserfälle in der Umgebung an. Hier kannst du auch schon erste Bilder sichten, die von anderen Fotografen hochgeladen wurden.

Wenn du einen Wasserfall gefunden hast, den du gerne fotografieren möchtest, geht es weiter mit der Planung: Suche in Google nach einem Parkplatz in der Nähe, finde heraus, in welche Himmelsrichtung der Wasserfall fällt und ob er sich in einem Wald oder auf freier Fläche befindet. Diese Information ist wichtig, um abzuschätzen, wie hell es rund um den Wasserfall ist, da Wasser auf Fotos häufig sehr hell wirkt.

Überlege, zu welcher Tageszeit du den Wasserfall fotografieren möchtest. Vermeide die pralle Mittagssonne, da sie harte Spitzlichter erzeugt und die Landschaft rund um den Wasserfall zu dunkel wird. Der Wasserfall selbst darf gerne im Schatten liegen, und ein bedeckter Himmel sorgt für ein diffuses, gleichmäßiges Licht.

Wasserfälle in Mittelgebirgen zu fotografieren gelingt besonders gut im Frühjahr, da dann die Flüsse und Bäche genügend Wasser führen. Der Herbst kann ebenfalls reizvoll sein, vorausgesetzt, es gab zuvor eine Regenperiode. Tolle Farben der umliegenden bunten Blätter lassen sich dann besonders gut ins Bild integrieren. Allerdings bin ich auch schon vor nahezu völlig ausgetrockneten Wasserfällen gestanden.

2. Den perfekten Standpunkt für deinen Wasserfall finden

Island Wasserfall Seljalandsfoss

Am Wasserfall angekommen, solltest du dir erst einmal ohne Kamera einen Überblick verschaffen. Der richtige Standpunkt ist entscheidend für eine gelungene Komposition. Wasserfälle bieten zahlreiche kreative Perspektiven, die du nutzen kannst. Suche nach den besten Blickwinkeln und finde spannende Perspektiven: Sei es aus der Nähe des Wassers, von oben auf den Oberlauf des Wasserfalls oder sogar von einem seitlichen Blickwinkel.

Verwende auch unterschiedliche Brennweiten, um verschiedene Bildwirkungen zu erzielen. Ein Weitwinkelobjektiv mit beispielsweise zwischen 15 bis 20 mm Brennweite, knapp über der Wasseroberfläche aufgenommen, lässt den Wasserfall besonders groß wirken, während du mit einem Teleobjektiv Details aufnehmen kannst und das Bild auf diese Weise ruhiger wirkt und auf Linien und Formen reduziert wird, wie das Bild unterhalb dieses Abschnitts.

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3. Die richtige Technik für atemberaubende Wasserfallaufnahmen

Die Reuss fällt in der Schöllenenschlucht in mehreren Kaskaden zwischen steilen Felswänden ins Tal.

Langzeitbelichtungen sind das Geheimnis vieler beeindruckender Wasserfallaufnahmen. Sie lassen das Wasser in einem weichen, seidigen, fast malerischen Look erscheinen und erzeugen einen spannenden Kontrast zu den scharf abgebildeten Landschaftselementen. . Je länger du belichtest, um so seidiger sieht das Wasser aus bis hin zum nebligen Effekt.

Aber die lange Belichtungszeit ist auch die Krux: Die Bilder würden vor allem tagsüber schnell viel zu überbelichtet wirken. Um dennoch eine Langzeitbelichtung zu ermöglichen, hilft ein ND-Filter (Neutraldichtefilter). Dieser reduziert die Lichtmenge, die auf den Sensor trifft, sodass du die Belichtungszeit verlängern kannst, ohne dass das Bild zu hell wird.

Es gibt verschiedene Stärken an ND-Filtern. Ich verwende gerne einen ND 3.0-Filter, der die Belichtungszeit um den Faktor 1000 verlängert. In diesem Fall lässt sich die neue Belichtungszeit einfach berechnen, indem du die aktuelle Belichtungszeit mit dem Faktor 1000 multiplizierst.

Hiermit lassen sich die Einstellungen besonders leicht errechnen: Würde beispielsweise die Belichtungszeit ohne Filter bei 1/30 sec liegen, dann stellst Du sie mit Filter bei gleicher ISO und Blendeneinstellung auf 30 sec.
Möchtest Du jetzt die Belichtungszeit verkürzen, hast Du mehrere Möglichkeiten: Entweder Du verringerst die ISO um einen Schritt, damit halbiert sich die Belichtungszeit auf 15 sec. Oder zu schließt die Blende um einen ganzen Blendenwert und erreichst eben auch die 15 sec.
So kannst Du Dich auf die optimale Belichtungszeit vorarbeiten und die Bildergebnisse dazu vergleichen.

Experimentiere mit einer Belichtungszeit von etwa 2 – 6 Sekunden und passe sie je nach Lichtverhältnissen an. Die Wirkung der Belichtungszeit ist abhängig davon, wie nah Du am Wasser bist.

Ein Polarisationsfilter hilft zusätzlich, Spiegelungen auf dem Wasser zu reduzieren und sorgt dafür, dass die Wasseroberfläche weniger stark reflektiert. Dadurch wirkt das Wasser ruhiger und weniger überbelichtet.

4. Wasserfälle fotografieren mit Stativ und Fernauslöser

Der Wasserfall Seljalandsfoss ist mit seinen 66 Metern Höhe einer der größten und bekanntesten in Island.

Für Langzeitbelichtungen benötigst du zwingend ein Stativ, damit das Bild nicht verwackelt. Achte darauf, dass dein Stativ stabil auf unebenem Gelände steht, etwa auf Steinen oder im Bachbett, und nicht kippen kann.

Verwende den Selbstauslöser der Kamera oder einen Fernauslöser, um die Kameraauslösung ohne Verwackeln durchzuführen. Die neuesten Kamerasysteme bieten oft die Möglichkeit, die Kamera über eine App mit deinem Smartphone zu steuern, was das Fotografieren noch bequemer macht.

5. Objektiv- und Kameraschutz – eine Herausforderung bei spritzendem Wasser

Wasserschutzhülle für Kamera und Fotograf

Beim Fotografieren in der Nähe von Wasserfällen wirst du schnell merken, dass die Linse spritzwassergefährdet ist. Achte darauf, das Objektiv regelmäßig zu überprüfen, um Wasserspritzer zu vermeiden, die dein Bild zerstören könnten.

Verwende dafür ein Mikrofasertuch – Papiertaschentücher können Kratzer auf der Linse hinterlassen. Wenn du besonders große Wasserfälle fotografierst, empfiehlt sich ein Spritzschutz für die Kamera, um die Technik vor dem Wassernebel zu schützen.

Schütze auch dich selbst mit Regenkleidung. Eine wasserabweisende Jacke, robuste Schuhe und gegebenenfalls eine Regenhose sind beim Fotografieren in der Nähe von großen Wasserfällen besonders praktisch, da sie dich vor Nässe und Kälte schützen.

6. Geduld beim Wasserfall-Fotografieren – der Schlüssel zum Erfolg

Das Fotografieren von Wasserfällen ist eine Herausforderung, die Geduld und Übung erfordert. Jeder Wasserfall ist einzigartig und stellt dich vor neue Herausforderungen, sei es bei der Belichtungszeit, der Perspektive oder den Lichtverhältnissen. Mit der richtigen Technik und etwas Erfahrung wirst du jedoch in der Lage sein, beeindruckende Aufnahmen zu machen.

Denk daran: Es geht nicht nur um das perfekte Bild, sondern auch darum, den Moment zu genießen und die Natur in all ihren Facetten zu erleben.

Vielleicht hast Du Lust an einem meiner Fotoworkshops teilzunehmen? Wir üben hier gemeinsam an mehreren Standorten im Westerwald die perfekten Kameraeinstellungen und Bildkompositionen. Einen ND-Filter kannst Du dann auch bei mir ausleihen.
Hier erfährst Du mehr darüber:
Fotoworkshop Landschaftsfotografie

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Wasserfälle